Effiziente Flächennutzung für die lokale Energiewende

Feldkirchen-Westerham, 20. Januar 2026

 

Wie kann die Energiewende vor Ort effizient und flächenschonend umgesetzt werden? Diese zentrale Frage stand im Fokus des siebten Arbeitstreffens des Kommunalen Klimaschutznetzwerks Rosenheim-Traunstein. Die Teilnehmer diskutierten verschiedene Ansätze, darunter Freiflächen-Photovoltaik, Agri-PV und Windkraft, unterstützt durch regionale Praxisbeispiele und Expertenvorträge.

 

Sebastian Gröbmayr vom Institut für nachhaltige Energieversorgung GmbH und der 1. Bürgermeister der Gemeinde Feldkirchen-Westerham, Johannes Zistl, begrüßten die Teilnehmenden. Zistl betonte die Relevanz von Energie- und Klimathemen für die Kommunalpolitik: ,,Für Bürgermeister ist es entscheidend, sich mit Energiefragen auszukennen - Klimaschutz und Energieeffizienz sind zentrale Themen unserer Arbeit".

 

Vier Vorträge füllen das Netzwerktreffen:

 

Regionale Energiewende: Effiziente Flächennutzung als Erfolgsfaktor

Martin Czepan vom Institut für nachhaltige Energieversorgung GmbH erläuterte, wie wichtig die effiziente Nutzung von Flächen für die lokale Energiewende ist. Er wies darauf hin, dass verschiedene Technologien - von Windkraft über Photovoltaik bis zu Biogas - stark unterschiedliche Anforderungen an Flächen, Kosten und Eignung für die Region haben. ,,Flächen müssen sinnvoll und standortgerecht genutzt werden", betonte Czepan. Während Freiflächen-PV und Windkraft kostengünstig sind, gibt es im Landkreis Rosenheim nur wenige geeignete Standorte für Windanlagen. Er zeigte auch, dass Solar- und Windstrom sich gut ergänzen, selbst in energiearmen Phasen.


Freiflächen-PV am Buchberg: Energiegewinnung bei gleichzeitiger Weidenutzung

Klimaschutzmanager Nico Hirsemann stellte das Konzept der Freiflächen-PV am Buchberg vor. Unter den Solarmodulen bleibt die Fläche als Viehweide nutzbar. ,,Unser Ziel war es, erneuerbare Energie zu erzeugen, ohne landwirtschaftliche Flächen einzuschränken - das ist am Buchberg gelungen", betont Hirsemann. Herausforderungen waren Hochwasserschutz und der entfernte Anschlusspunkt. Erfolgsfaktoren sind die Unterstützung der Gemeinde und ein geplantes Crowdfunding; eine Ergänzung durch einen Stromspeicher wird
geprüft.


Agri-PV: Landwirtschaft und erneuerbare Energie verbinden

Gawan Heintze vom Technologie- und Förder zentrum Straubing (TFZ) erläuterte beim Netzwerktreffen die Chancen von Agr i-PV-Anlagen, die Stromerzeugung und landwirtschaftliche Nutzung miteinander verbinden. ,,Mit Agri-PV lassen sich Flächen effizient nutzen und gleichzeitig erneuerbare Energie erzeugen - eine Winwin-Lösung für die Region, betonte Heintze. Am Beispiel der Versuchsanlage in Grub werden seit 2024 Strom- und Ernteerträge sowie Mikroklima-Effekte systematisch erfasst. Auch vertikal aufgestellte Module zeigen gute Ergebnisse, insbesondere durch die höhere Stromproduktion in Morgen- und Abendstunden. Trotz kleiner Herausforderungen bei der Nachführung der Tracking-Anlagen und beim Biodiversitätsmanagement sehen Experten Agri-PV als positiv gestaltetes Instrument für die Energiewende. Die Anlagen gewinnen zunehmend Akzeptanz und bieten Landwirten ein zweites wirtschaftliches Standbein durch die kombinierte Nutzung von Landwirtschaft und Solarstrom.


Mit Bürgerbeteiligung zur Windkraft vor Ort

Florian Lechner berichtete über die erste Windkraftanlage im Landkreis Rosenheim. ,,Der Erfolg des Projekts beruht auf dem hohen Engagement der Initiatoren und der frühzeitigen Einbeziehung der Bürger", sagte Lechner. 134 Bürger haben sich als Anteilseigner an dem Projekt beteiligt. An windstarken Tagen, wie z. B. Anfang Januar, beträgt die Stromproduktion über 100.000 kWh. Abschaltungen der Anlage zum Schutz von Fledermäusen und Greifvögeln waren von Anfang an eingeplant. Bau und Genehmigungsverfahren wurden
zügig durchgeführt, und das Budget wurde eingehalten.

 

Im Anschluss besichtigten die Teilnehmenden die Windkraftanlage und erhielten einen praxisnahen Einblick in Technik und Betrieb.
Das Netzwerktreffen verdeutlichte, wie engagierte Bürger und Kommunen die lokale Energiewende vorantreiben und Flächen effizient für die Stromerzeugung nutzen können.

 

 

ÜBER DAS KLIMASCHUTZNETZWERK ROSENHEIM-TRAUNSTEIN:

Im Rahmen des Klimaschutznetzwerks Rosenheim-Traunstein haben sich 16 Kommunen aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein zusammengeschlossen, um in den kommenden drei Jahren gemeinsame Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen und die CO2-Bilanz der Region nachhaltig zu verbessern. Ziel des Netzwerks ist es, regionale Kräfte zu bündeln und effektive Strategien gegen den Klimawandel zu entwickeln. 

Begleitet wird das Netzwerk fachlich vom Institut für nachhaltige Energieversorgung GmbH (INEV). Ein zentraler Fokus der Kooperation liegt auf dem kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zu Ressourceneffizienz und Klimaschutz. Die beteiligten Kommunen werden gemeinsam geeignete Ziele festlegen und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen durchführen, um den Klimaschutz in der Region voranzutreiben.